Direkte Hypnose versus indirekte Hypnose
Seit der britische Arzt James Braid Mitte des 19 Jahrhunderts der Hypnose ihren Namen gab und Hypnose sich in Europa unter diesen Namen ihren Weg bahnte – wurde diese in einem sehr direktiven und autoritären Stil angewendet.
Auch Siegmund Freund lernte unter anderem beim Pariser Neurologen Jean-Martin Charcot und Prof. Hyppolite Bernheim von der Universität Nancy die Hypnose kennen. Wie damals üblich und verbreitet übten die Hypnotiseure die traditionelle Form der Hypnose aus. Sie formulierten direkte Suggestionen und Verbotssuggestionen, teilweise auch mit bestimmten Berührungen des Kopfes des Hypnotisierten, kombiniert mit Massageanwendungen.
Man ging zur damaligen Zeit davon aus, dass es bei der Hypnose wichtig sei eine gewisse „Macht“ über den Hypnotisanden auszuüben um ihn beeinflussen zu können. Es ist somit nicht verwunderlich, dass sich selbst in Hypnose befindliche Patienten den Suggestionen des Hypnotiseurs widersetzten und nicht auf diese hörten.
Wenn man aus heutiger Sicht diese Methode der Hypnose einer Analyse unterzieht, so wird verständlich, dass die autoritäre Form viel Widerstand auf sich zog und nur eine begrenzte Zahl der Patienten tatsächlich den gegebenen Suggestionen Folge leisteten. Und doch erzielte diese Methode auch dauerhafte Erfolge.
Eine grundlegende, fundamentale Änderung zeichnete sich erst dank der Arbeiten von Milton H. Erickson ab, der eine völlig neue Art hypnotischen Denkens etablierte.
Im Gegensatz zu den eher autoritären Hypnoseformen früherer Jahre, in dem einfach Symptome wegsuggeriert wurden, orientiert sich die moderne Hypnotherapie an der Einzigartigkeit des Klienten und seiner Lebensumstände. Die Trancephänomene werden mehr naturalistisch, oft sogar beiläufig erzeugt. Unbewusste körperliche Regungen und Denkprozesse werden ermuntert, sich zu äußern und zu entfalten. Es wird angenommen, dass das Unbewusste des Klienten eine Art tiefe Intelligenz verkörpert, die über Probleme, Konflikte und Schwierigkeiten des Patienten besser Bescheid weiß, als sein Bewusstsein.
Erickson leitete durch seine Studien, seine meist permissiven und indirekten Suggestionen somit ein gänzlich neue Ära und ein Neuverständnis der Hypnose und deren Anwendung ein, welche auch heute in mehr oder weniger abgeänderter Form in die Hypnotherapie Einzug gehalten hat.